Südafrika: Vielschichtig in jeder Hinsicht

Südafrika: Vielschichtig in jeder Hinsicht

Südafrika: Sowohl von seinen Einwohnern, als auch weltweit gilt das Land als Paradebeispiel der Vielfalt, Entwicklung und Reiseländer für Abenteurer. Aber wird das südlichste Land des afrikanischen Kontinents diesem Ruf bei all den Erwartungen tatsächlich gerecht? Ich sage ja, absolut und auch wenn ich nur einen verschwindend kleinen Teil Südafrikas erleben und erkunden durfte, möchte ich meine Eindrücke im Folgenden gerne teilen.

Um von diesem überwältigenden Land zu berichten, drehen wir die Uhr um ziemlich genau ein halbes Jahr zurück; zu den Osterferien 2017. Gemeinsam mit meinem Vater unternahm ich eine zehntägige Reise ins Ungewisse. Ich hatte zuvor viel Gutes über Südafrika gehört und war unglaublich auf die Eindrücke dieses Landes gespannt, da die einzige Reise in ein ähnlich exotisches Land, die ich jemals miterleben hatte, bald zehn Jahre zurücklag. Als ich dann im Flugzeug zu unserem Zwischenstopp in Äthiopien saß und mir eine der zahlreichen Dokus über den afrikanischen Kontinent zu Gemüte führte, erschien mir die ganze Situation plötzlich vollkommen surreal. Nach dem Umstieg im Flughafen von Addis Abeba ging es weiter in einen Flieger, in dem unsere Reihe die einzig voll besetzte war, weshalb ich während des zweiten Flugs noch weniger Schlaf bekam als im vorherigen.
Dementsprechend angeschlagen stieg ich dann in Durban am Ausgangspunkt unserer Reise aus dem Flugzeug aus, obgleich mich augenblicklich wieder ein Gefühl der Neugierde übermannte.

Aber was war überhaupt der Plan?

Naja, was man in diesen zehn kurz bemessenen Tagen eben schaffen konnte: Von Durban aus ging es zum Sani Pass an der östlichen Grenze Lesothos, dann weiter zu einem kulinarischen Highlight am Rande der Nationalparks, die sich um die Drakensberge schnüren. Von dort aus ging es weiter in eine über den Wolken gelegene Lodge nahe Phuthaditjhaba, anschließend auf einen Abstecher ins Bergkönigreich Lesotho und zuletzt in die Metropole Johannesburg. Soviel zur Theorie.

Roadtrip Karte  [Durban – Sani Pass – Maloti-Drakensberg/Giant’s Castle – Royal Natal Reserve – Northern Lesotho – Johannesburg] – (Map by Google)

Ein Stückchen Heimat – Durban

Nach der Landung in der durchaus westlich anmutenden Hafenstadt Durban durften wir erstmals in unseren 4×4 Pickup einsteigen, der sich als wahres Monster entpuppte. Abgesehen davon, dass Toyota in der afrikanischen Version wohl sämtliche Schadstoffreinigungssysteme einspart und wir somit wohl oder übel vom herrlich rauchigen Pestgeruch begleitet wurden, war uns der zunächst völlig überdimensioniert erscheinende Truck ständig ein treuer Begleiter. Denn wer in Südafrika einen Roadtrip unternehmen möchte, der sei vor der dortigen ‚Pothole-Kultur‘ gewarnt und sollte mit einem Gefährt mit entsprechender Bodenfreiheit und Robustheit auffahren. Nach einiger Zeit ist man fast über die vergleichbar spiegelglatten Kieswege erfreut.

Der stinkende Kraftprotz

 

Durban selbst wirkt sehr amerikanisch und ist wie alle südafrikanischen Städte von vielen Mauern, Zäunen und bewachten Toren geprägt. Abgesehen davon wirkt alles recht heimisch. Es gibt ein kleines wunderschönes, sumpfiges Naturschutzgebiet direkt am Strand zu bewundern. Im Nachhinein wirkt die Stadt allerdings recht unspektakulär. Trotzdem zu erwähnen ist die grandiose und vorbildliche Gastfreundschaft und Höflichkeit der Südafrikaner – und zwar ausnahmslos! Kritisch betrachtet ist das natürlich darauf zurückzuführen, dass vor allem das Servicepersonal auf die Zufriedenheit der Gäste angewiesen ist, um ihre Existenz zu sichern. Nichtsdestotrotz wirkt diese Freundlichkeit auf keiner Ebene aufgesetzt, sondern immer herzlich und interessiert.. Und noch einmal: ausnahmslos!
Selbst die Beamten bei einer Polizeikontrolle waren mehr an uns und der GoPro an der Frontscheibe interessiert als an der Suche nach irgendeiner Vorschrift, die wir vielleicht missachtet haben könnten. Gleichermaßen verhielt es sich bei Grenzbeamten, Nationalpark-Security und sämtlichen anderen Begegnungen.

 

Einfahrt in die Wildnis

Nach einer ersten Fahrt ins Innere des Landes – in Richtung des Sanipasses nach Lesotho – wurde eines sofort klar: Dieses Land hat unzählbar viele Facetten. War die Landschaft gerade noch von einem Highway im amerikanischen Stil durchzogen, taten sich jetzt die Drakensberge in ihrer beeindruckenden Form auf. Aber richtig abenteuerlich wurde es dann erst, als wir die „Sani Valley Lodge“ erreichten, die sich an einem künstlichen, aber wunderschönen See direkt neben dem „Maloti-Drakensberg Nationalpark“ befindet. Nachdem wir die – selbstverständlich ausnahmslos höfliche – Eingangskontrolle der Lodge durchquert hatten, zog sich der Weg zur Lodge selbst noch weitere vier Kilometer auf einer ‚Straße‘, die man für gewöhnlich als Traum für Offroader bezeichnen würde. Vor der Terrasse der wunderschönen Wohnung begrüßte uns dann erstmal eines von vielen Zebras, die sich im Umkreis tummelten. An der Kulisse konnte man sich gar nicht mehr satt sehen.. Wären da nicht diese Mücken gewesen, die sich an diesem Landstrich wohl ähnlich wohl fühlten wie wir.. Auf jeden Fall durfte ich an diesem ursprünglichen Ort wohl einen der schönsten Sonnenauf- und Untergänge meines Lebens beobachten. Einfach schön!

Zufahrt zur Lodge
Besuch vor der Terasse

Drakensberge – Ein Stück Ursprünglichkeit

Am nächsten Tag begaben wir uns ins nächste Offroad-Abenteuer, das quasi direkt vor der Haustür gelegen war: Der Sani Pass nach Lesotho.
Spätestens auf dem Pass hat sich das Untersetzungsgetriebe unseres Trucks ausgezahlt. Auch, wenn regelmäßig die kleinen, stets mit über zehn Passagieren besetzten Sammeltaxis ohne Rücksicht auf Verluste an uns vorbeiflitzten, waren wir an der lesothischen Grenze schon verdammt froh, dass wir keinen Pseudo-Geländewagen bekommen hatten, der höchstwahrscheinlich schon nach den ersten Metern eine Bodenwelle geküsst hätte. Nach Lesotho sollte es allerdings erst gegen Ende der Reise hineingehen. Also: Nochmal runter den Berg und auf nach Norden zum kulinarischen Highlight der Reise: Das „Cleopatra Mountain Farmhouse“, das sich ebenso am Rande des Nationalparks befindet. Der dortige Koch serviert jeden Abend ein Menü, das aus sieben feinst zubereiteten Gängen besteht. Und als wäre das noch nicht genug gewesen, gab es denselben Spaß noch einmal als Dreigang am Morgen. Also zusätzlich zum Büffet, versteht sich. Wahrscheinlich werde ich die nächsten 20 Jahre nicht mehr so verwöhnt essen wie in dieser malerischen Unterkunft. Da ich mir aber selbst schon ein wenig schäbig vorkomme, während ich davon erzähle, machen wir lieber schnell weiter mit „Giant’s Castle“, einem Gebirgszug, dessen Silhouette an einen schlafenden Riesen erinnern soll.. Ein wunderschöner Ort zum Wandern und um sich der Natur hinzugeben, ganz unabhängig davon, ob man diese Riesen-Assoziation nun tatsächlich teilt, oder nicht.

Sani Pass
Giant’s Castle

Royal Natal National Park – Wenn man eines Morgens über den Wolken erwacht

So war es tatsächlich; Wir kamen zu später Stunde an der wolkenverhangenen Lodge an, die tatsächlich ein wenig an eine Skihüttenanlage in den Alpen erinnerte und was soll ich sagen.. Am nächsten Morgen strahlte die Sonne unbeirrt auf die Wolken herunter und wir taten es ihr gleich. Obwohl man mutmaßen kann, dass für den Bau der Lodge an diesem einzigartigen Ort höchstwahrscheinlich einige Summen über omminöse Konten in gewisse Hände geflossen waren, kann ich ohne Zweifel sagen, dass ich geografisch noch nie so spektakulär gewohnt habe wie dort oben am Royal Natal Park. Den ersten Tag mussten wir leider opfern, um die Einreiseunterlagen aus der vorherigen Lodge wiederzubeschaffen, weil wir diese dort vergessen hatten. Im Nachhinein war das aber gar nicht so problematisch, da ich so noch ein weiteres Mal die auf wundersame Weise wechselhaften Landstriche Südafrikas bestaunen konnte. Man fühlt sich wirklich alle 50 Kilometer wie an einem vollkommen anderen Ort.

Über den Wolken..

Den zweiten Tag konnten wir dann zumindest teilweise nutzen, um das Gebirge im Nationalpark zu Fuß zu erkunden und auch, wenn wir es nicht bis ganz nach oben geschafft haben, spricht der Ausblick für sich.

Lesotho – Afrika aus dem Bilderbuch

Als wir dann nach Lesotho hinein fuhren, musste ich feststellen, dass ich all meine bisherigen Eindrücke vom afrikanischen Kontinent wieder neu schreiben konnte. Dort lebt man wirklich an der untersten Existenzgrenze. Beinahe jeder betreibt Subsistenzwirtschaft und die einzigen alternativen Berufswege bieten sich in den Diamantenminen in Südafrika oder beim durch und durch korrupten Staudammprojekt Lesothos, das die Industrie um Johannesburg mit Strom versorgt. Alles Leben spielt sich auf der Straße ab. Die Menschen tanzen und lachen unentwegt und wir Europäer sind dort noch vollkommen fremd. Eine tolle Erfahrung, die mich aber zugleich andächtig stimmt. Die dortige Lodge war natürlich mal wieder luxuriös ohnegleichen und paradoxerweise preislich ähnlich gelegen wie eine Nacht in einer Jugendherberge im Sauerland. Ich fühlte mich zunehmend wie ein ausbeuterischer Tourist. Der war ich ja schließlich auch, wenn ich mich auch dagegen sträubte.
Den nächsten Tag verbrachten wir anfangs auf Pferden. Die Kulisse, die wir mit den Pferden durchritten war allerdings so wunderschön, dass wir denselben Weg gleich noch einmal mit der Kamera und zu Fuß unternahmen. Langsam näherte sich das Ende der Reise.

Johannesburg – Zurück in die heimische Schnelllebigkeit

Nach einem kurzen Abstecher in das touristische, aber dennoch malerische Städtchen Clarence, ging es nun weiter in Richtung der Metropole Johannesburg. Auch, wenn es sich auf eine Art gut anfühlte, ins lebendige Großstadtleben zurückzukehren – Der Umbruch gestaltete sich dann doch sehr drastisch. Plötzlich liefen zahlreiche Straßen zusammen und bildeten eine fünfspurige Autobahn, auf der wieder die ‚obligatorischen‘ Avocadoverkäufer unterwegs waren. Neben den Straßen präsentierten sich die ‚Gated Communities‘ in ihrer autoritären Verschlossenheit. Leider konnten wir uns die Stadt nicht mehr von Innen ansehen und verbrachten die letzte Nacht in einem stylischen Hotel in einer der geschlossenen Nachbarschaften, wobei ich mir bewusst wurde, dass ich meine Jacke in Lesotho vergessen hatte. Halb so wild – So lebt wenigstens ein Stück von mir in diesem eindrucksvollen Land weiter.

Eindrücke aus Clarens

Südafrika – Ein Land zum Wiederkehren?

Absolut! Allein, dass ich jetzt merke, wie viele Eindrücke in meinem Gedächtnis geblieben sind und jetzt diesen ausufernden Artikel füllen, spricht mehr als eindeutig dafür, wie groß der Wert einer Reise in dieses in jeder Hinsicht vielschichtige Land ist. Es gibt dort natürlich viel zu kritisieren und verbessern. Sicherlich sind die Folgen der jahrelangen Apartheid immer noch immens und sicherlich haben von unserer Reise wesentlich mehr weiße Investoren profitiert als die Menschen, die tatsächlich Unterstützung benötigen. Nichtsdestotrotz waren meine Erfahrungen am Südzipfel Afrikas geradezu einschneidend und ich möchte jeden, der mit dem Gedanken spielt, motivieren, ähnliche Erfahrungen zu machen. Vielleicht mit einem Rucksack. Vielleicht noch näher an der Bevölkerung. Vielleicht noch näher an der wilden Tierwelt des Landes. Ich persönlich kann meine Reise ins Land der vermischten Kulturen nur als großartige Erfahrung und wahren Erfolg verbuchen und werde hoffentlich noch einmal wiederkommen, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

 

Auf bald, Südafrika! Auf ein nächstes Mal mit noch mehr Eindrücken und hoffentlich weniger Zeitdruck.

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